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Fragen, Antworten

Die Stiftung gibt Ihnen Antworten auf die wichtigsten Fragen, die immer wieder im Zusammen-hang mit dem Wunsch nach Kindern gestellt werden. Sie können auch gerne Fragen an die Stiftung unter info@stiftung-kinderwunsch.de richten, die dann von unseren Fachleuten - Ärzte und Therapeuten aus dem Bereich der Kinderwunschbehandlung - beantwortet werden.

Alle diese Antworten können nur „Richtwerte“, nur Empfehlungen sein und sind kein „Gebot“. Denn Fruchtbarkeit und Schwangerschaft sind sehr individuelle Vorgänge und unterliegen einer sehr eigenen, persönlichen „Gesetzmäßigkeit“, der Natur des einzelnen Menschen, der Natur von Frau und Mann.
Deshalb unsere oberste Empfehlung: Glauben Sie an sich, bauen Sie auf sich als Paar, vertrauen Sie als Frau, als Mann auf Ihren Körper und Ihre eigene Kraft. Haben Sie Zuversicht!

Herzlichst Ihr Stiftung-Kinderwunsch Team!

Ab welchem Zeitpunkt sollte man zum Arzt gehen, wenn sich keine Schwangerschaft einstellt?

Viele Paare gehen zum Arzt, wenn sie nach ca. 1-1,5 Jahren noch kein Kind haben, obwohl sie es versucht haben. Das ist verständlich, denn es gibt durchaus ein sinnvolles Zeitfenster:
Paare bis zu einem Alter von Anfang 30 Jahren sollten nach ungefähr einem Jahr schwanger sein. Ab 35-38 Jahren sollte der Erwartungsdruck etwas heruntergeschraubt werden. Da kann es durchaus auch 2 Jahre bis zu einer Schwangerschaft dauern.

Statistisch gesehen wird es ab 38 Jahre problematischer schwanger zu werden, da die Fruchtbarkeit der Frau ab da rapide abnimmt. Deutlich schwieriger wird es ab einem Alter von 43. Ab 45 Jahre wird es nahezu unmöglich, schwanger zu werden. Deswegen ermahnen Spezialisten, nicht zu lange mit der Familienplanung zu warten, wenn ein Paar Kinder haben möchte. Besonders, wenn mehr als ein Kind geplant ist und die Frau beim ersten Kind bereits älter als 35 Jahre ist. Dann sollten Sie möglichst nicht länger als ein ½ Jahr mit dem Arztbesuch  warten.
Bitte berücksichtigen Sie: All das sind nur Durchschnittswerte. Jedes Paar ist individuell ganz verschieden, auch der Alterungsprozess verläuft ganz unterschiedlich.

Was gibt es für ärztliche Hilfen?
Eines vorneweg: Je klarer die Ursachen, desto bessere Behandlungschancen gibt es! Das bedeutet in der Umkehrung: je verschwommener das Bild, desto schwieriger wird eine erfolgreiche Behandlung. Lassen Sie sich deshalb beide ärztlich untersuchen, wenn sich nach einem Jahr und ungeschütztem Geschlechtsverkehr keine Schwangerschaft eingestellt hat.

Was gibt es für erkennbare medizinische Ursachen bei unerfülltem Kinderwunsch?

Nach einer Statistik des Deutschen Ärzteblattes sind in Deutschland ungefähr 15 % aller Paare ungewollt kinderlos. Ungewollte Kinderlosigkeit ist aber nicht allein Frauensache. Sie ist immer ein Problem, das beide Partner betrifft. Die Ursachen für Kinderlosigkeit verteilen sich mit jeweils 30-40% gleichermaßen auf Mann und Frau. Daher sollten auch die Suche nach den Ursachen und die Behandlung der Kinderlosigkeit stets gemeinsam erfolgen.

Die Ursachen sind vielfältig: Organische Ursachen, aber auch seelische, berufliche und wirtschaftliche Gründe, das Alter der Frau, Lebensweise, Ernährung, Zigaretten-, Alkoholkonsum und Umweltfaktoren haben einen entscheidenden Einfluss auf die Fruchtbarkeit. Die organischen Ursachen für ungewollte Kinderlosigkeit werden ebenso oft beim Mann (etwa 40%) wie bei der Frau (etwa 40%) oder aber bei beiden gemeinsam (etwa 30%) diagnostiziert. Nur bei ca.10% der ungewollt kinderlosen Paare können die Ursachen der Sterilität nicht festgestellt werden.

Welche Rolle spielt das Alter?

Die Biologie des Menschen setzt dem Kinderwunsch Grenzen. So spielt das  Alter  eine entscheidende Rolle bei unerfülltem Kinderwunsch: Ab dem 30. und stärker noch ab dem 35. und 40. Lebensjahr nimmt nicht nur die Fruchtbarkeit der Frau ab, etwa ab dem 40- 50.. Lebensjahr lässt auch die Samenproduktion beim Mann langsam nach. Die Verschiebung der Familienplanung in einen späteren Lebensabschnitt trägt also nicht unerheblich zur Problematik der Unfruchtbarkeit bei. So sind heute bereits ein Viertel der Paare bei der Geburt ihres ersten Kindes älter als 30 Jahre, während beispielsweise 1970 zirka 90 Prozent der Frauen und Männer bei der Geburt ihres ersten Kindes jünger als 30 Jahre waren.

Was sind die Gründe für Unfruchtbarkeit bei der Frau?

Endometriose
Ca. 25-30% der Frauen haben Endometriose. Darunter versteht man ein ortsfremdes Wachstum von Gewebe, das ähnlich dem Gewebe der Gebärmutterschleimhaut ist, aber an anderer Stelle wächst (beispielsweise in Eileiter und Eierstöcken, aber auch in Harnblase oder Darm).
Die Ursache ist weitgehend unbekannt, jedoch erschwert eine Endometriose das Entstehen einer Schwangerschaft. Vielfach bleibt sie lange unentdeckt. Da die Endometriose gravierende Schmerzen hervorrufen kann, welche die Lebensqualität ganz erheblich einschränken, wird ihr Vorhandensein durch langjährige Pilleneinnahme häufig nur kaschiert. Chronisches, latentes Schmerzempfinden verschwindet, taucht aber häufig nach Absetzen der Pille wieder auf. Und dann besonders kurz vor oder während der Perioden Blutung.
Behandlung: E. ist eine gutartige Erkrankung und lässt sich am besten laparoskopisch  oder  selten auch mit Ultraschall feststellen.
Meist ist die laparoskopische Entfernung mit Laser oder elektrisch sinnvoller als die medikamentöse Therapie.

Polyzystisches Ovarsyndrom (PCO-Syndrom)
Das PCO-Syndrom oder auch Polyfollikuläres-Ovar-Syndrom ist die häufigste endokrinologische Erkrankung geschlechtsreifer Frauen, unter der in Deutschland etwa 1 Million Frauen leiden. Vielen kleine Eibläschen im Eierstock, die die Fähigkeit verloren haben, zu einem reifen Follikel heranzuwachsen, verhindern eine Schwangerschaft. Meist ist dieses Problem mit einem gestörten Eisprung verbunden und stellt damit eine nicht seltene Ursache für die Kinderlosigkeit bzw. unerfüllten Kinderwunsch dar. Viele Patientinnen berichten, dass sie nur sehr sporadisch und unregelmäßig die Menstruationsblutung  bekommen.
Das PCO Syndrom entsteht auch bei übergewichtigen Patientinnen und einer möglichen Insulinstörung. Oft kommt auch eine Erhöhung der männlichen Hormone hinzu.
Behandlung: medikamentös, Laparoskopie, Gewichtsreduktion

Störung der Eizellreifung
Hinter einer gestörten Eizellreifung, einem häufigen Grund für die Unfruchtbarkeit der Frau, steht meist eine hormonelle Fehlfunktion in den Eierstöcken. Stehen die Hormone in einem Ungleichgewicht zueinander, können neben der Eizellreifung auch der Eisprung oder die Bildung des Gelbkörpers negativ beeinflusst werden.
Behandlung: Eine Hormontherapie kann hier helfen.

Tubare Sterilität
Unter tubarer Sterilität versteht man eine Verklebung der Eileiter meist nach einer Entzündung. Dadurch kann der Transport der Eizelle erschwert werden oder gänzlich unmöglich werden. Gründe für die tubare Sterilität können  neben der Entzündungen auch eine vorangegangene Eileiterschwangerschaften ebenso wie Operationen oder selten auch eine Endometriose sein.
Behandlung: Mit Hilfe einer Operation wird die Durchgängigkeit und Funktionsfähigkeit der Eileiter wieder hergestellt oder aber die Samen- und Eizellen im Reagenzglas zusammengeführt und somit die Eileiter umgangen( IVF- In-Vitro-Fertilisation).

Störungen der Schilddrüse
Eine Ursache für Unfruchtbarkeit kann auch eine Fehlfunktion der Schilddrüse sein. Die Schilddrüse steuert lebenswichtige Vorgänge im ganzen Körper, darunter auch die Fruchtbarkeit und Fortpflanzung. Schilddrüsen- und Sexualhormone, wie das Östrogen, stehen miteinander in einem engen Zusammenhang und beeinflussen sich gegenseitig. Geraten die Schilddrüsenhormone aus dem Gleichgewicht, hat dies Auswirkungen auf die weiblichen Hormone: Eisprung und Regelblutung können dadurch nicht mehr normal ablaufen. Es kann sein, dass die Eierstöcke voll funktionsfähig sind,  aber die Hormonstörungen den Eisprung verhindern bzw. verzögern. Sowohl eine Überfunktion als eine Unterfunktion der Schilddrüse können die Empfängnis nachhaltig stören. Möchte eine Frau dann schwanger werden, kann es zu Problemen kommen.
Behandlung: Störungen der Schilddrüse sind  meist gut therapierbar

Kann die Lebensweise Grund für einen unerfüllten Kinderwunsch sein?
Nicht nur Erkrankungen können Ursache für Kinderlosigkeit sein, großen Einfluss auf die Fruchtbarkeit der Frau sowie des Mannes hat auch Ihr tägliches Verhalten. Vor allem Stress, übermäßiger Alkohol- und extremer Kaffeegenuss, Medikamente, Anabolika, übertriebener Sport, Rauchen sowie starkes Über- aber auch Untergewicht der Frau können deren Fruchtbarkeit beeinträchtigen. Zyklusstörungen bis hin zum Ausbleiben des Eisprunges können Auftreten. Der empfohlene Body Mass Index (BMI) sollte zwischen 20 und 25 liegen.

Körpergewicht in Kilogramm
------------------------------------------------- = BMI
Körpergröße (m) x Körpergröße (m)

Online BMI-Rechner unter:
https://www.uni-hohenheim.de/wwwin140/info/interaktives/bmi.htm

Behandlung: Die Empfehlung für eine gesunde Lebensweise klingt banal, hat aber größeren Einfluss auf die Fruchtbarkeit: Wer Kinder plant, sollte deshalb seinen Alltag und Lebenswandel auf schädliche Einflüsse überprüfen und ein angemessenes Körpergewicht anstreben.

Was sind die Ursachen für Unfruchtbarkeit beim Mann?

Es wird davon ausgegangen, dass die Ursachen für Sterilität zu je 30- 40 Prozent bei der Frau oder beim Mann und in 10- 20 Prozent der Fälle bei beiden zu finden sind.
Die häufigste Störung der Fruchtbarkeit beim Mann ist eine mangelhafte Produktion normaler und gut beweglicher Spermien. Die Ursachen hierfür können vielfältig sein und lassen sich nicht immer eindeutig zuordnen:

  • Mumpsinfektion in der Kindheit
  • Krampfadern im Hoden
  • Hodenhochstand
  • Hormonstörungen
  • Diabetes
  • Operierte Tumore
  • Schädigung in der Erbanlage
  • Stress
  • Infektionen
  • Umweltbelastungen
  • Starker Nikotin- und/oder Alkoholkonsum

Behandlung: Medikamentös, operativ bzw. durch Veränderung des Lebensstils

Was können wir als Paar positiv beeinflussen, um schwanger zu werden?

Führen Sie, soweit es geht, ein gesundes und ausgewogenes Leben.     
Gehen Sie beide gut mit Ihrem Körper, Ihrer Seele um. Berufs/Karrierestress, 1000 Sachen unter einen Hut bekommen zu müssen, das kann  hormonelle, endokrine Störungen auslösen. Auch Spermien sind stressanfällig. Deshalb raten Spezialisten, all das nach Möglichkeit zu vermeiden, was seelischen Druck und Stress auslöst – auch ein zu verkrampftes, angespanntes Herangehen an den Kinderwunsch.

Müssen wir uns Sorgen machen? Besteht bei assistierter Kinderwunschbehandlung die Möglichkeit einer Fehlbildung des Kindes?

Es gibt statistische Daten, die besagen, dass bei Paaren, deren Fruchtbarkeit gestört ist, eine minimal erhöhte Tendenz zu vermehrten Fehlbildungen besteht. Siehe auch unter Artikel bei Lutz Sindermann.
Die Ursachen werden in Fachkreisen allerdings widersprüchlich beurteilt, es liegen auch noch keine abschließend Studien vor.
Die minimale Erhöhung wird allerdings nicht der Methodik der assistierten Kinderwunschbehandlung angelastet, als vielmehr dem Umstand, dass die Eltern z.T. aufgrund des Alters oder anderer Krankheiten, auf natürlichem Weg bislang kein Kind zeugen konnten. Man spricht mehr von dem sogenannten Hintergrundrisiko als von einer wirklichen Ursache durch die gewählte Methode. Diese geringfügige Erhöhung sollte aber keine unnötigen Ängste schüren, noch den Wunsch nach einem Kind scheitern lassen.

Wie hoch sind die Erfolgschancen einer medizinisch unterstützten Kinderwunschbehandlung?

Die Erfolgsrate hängt sehr deutlich vom Alter der Patientin ab. Unter einer bestimmten Altersgrenze kann bis zu 70-80% der Frauen geholfen werden. Bei Patientinnen, die älter als 41 Jahre sind und Frauen mit schweren Krankheiten liegt die Quote deutlich darunter. Es gibt natürlich auch Paare, denen nicht geholfen werden kann. Denn auch das darf nicht vergessen werden: Die Biologie, vor allem das Alter, setzen dem Kinderwunsch Grenzen.
Mit einer der Gründe für ein Scheitern der attestierten Kinderwunschbehandlung ist auch, dass fast 50% der Paare die Behandlung vorzeitig abbrechen. Oft ist die starke psychische Belastung der Paare, die Angst vor weiteren Misserfolgen oder das Gefühl, sich körperlich unzulänglich zu fühlen, Grund zu diesem Schritt. Die Paare verlieren den Glauben an sich. Eigentlich gibt es keine rationalen, außer finanzielle oder klar medizinische Kriterien, die Behandlung vorzeitig abzubrechen. Insofern spielt die Psyche sicher eine größere Rolle, als ihr aus wissenschaftlicher Seite attestiert wird.

Welche Rolle spielt die Seele?

Schier endlos auf ein Kind zu warten, das kann sehr weh tun. Ob dieser Schmerz dann die Fruchtbarkeit weiter behindert, ist schwer festzustellen, die Entstehung eines Teufelskreises aber nicht auszuschließen. Der ständige Zustand innerer Spannung und ein hoher Erwartungs-druck lösen Stress aus. Je mehr  sich Frau und Mann unter Druck setzen, desto mehr kann der an der Fruchtbarkeit beteiligte Hormonhaushalt gestört werden. Die Folge: Der Eisprung kann ausbleiben. Die männliche Seele ist in punkto Kinderwunsch keineswegs robuster als die der Frau. Körperlicher und seelischer Stress können die Bildung der Samenzellen hemmen und ihren Transport ungünstig beeinflussen. Die Folge: Die Spermienqualität kann vorübergehend herabgesetzt sein.
Aber bislang gibt es nur wenig klare Erkenntnisse darüber, inwieweit die Psyche an ungewollter Kinderlosigkeit beteiligt ist.
Qualitativ hochwertige wissenschaftliche Untersuchungen gibt es weltweit zu diesem Thema kaum. Die wenigen Untersuchungen, die es gibt, weisen auf einen eher niedrigen psychischen Anteil bei unerfülltem Kinderwunsch hin.

Dennoch gibt es immer wieder Schilderungen über das Phänomen, dass  Paare, wenn sie sich nach längerer Zeit dazu durchgerungen haben, ärztlich behandeln zu lassen, plötzlich noch ohne Hilfe schwanger werden. Oder, dass Paare, die sich nach vergeblicher Kinderwunschbehandlung zu einer Adoption entschlossen haben,  plötzlich schwanger wurden. Ob dies damit zu tun hat, dass von diesen Paaren ein starker seelischer Druck genommen wurde, weil sie sich entweder zu einer aktiven Behandlung  oder zum Abbruch der Behandlung entschlossen haben, ist Spekulation. Dennoch sind dies Aspekte, die auch Mut und Zuversicht geben können.
Fachleute halten diese Beobachtungen eher für einen Mythos. Einen Mythos, der auch unter Druck setzen kann. Denn eines, was nicht  funktioniert ist ein geplanter zweckgebundener innerer Abschluss des Kinderwunsches. Nach dem Motto: „wenn ich endlich abschlossen hätte, würde ich spontan schwanger“ versuchen insbesondere Frauen, geistig den Kinderwunsch abzuschließen.
Das Unterbewusste lässt sich nicht betrügen. Etwas, was körperlich noch möglich ist – und seinen die Chancen auch noch so gering - kann geistig-seelisch  kaum abgeschlossen werden.

Leiden Frauen und Männer unterschiedlich unter dem unerfülltem Kinderwunsch?

Unerfüllter Kinderwunsch verunsichert erst einmal beide zutiefst. Frauen und Männer leiden aber wohl anders. Frauen körperlicher und auch sehnsuchtsvoller. Der unerfüllte Kinderwunsch beeinflusst im Vergleich zum Mann auch stärker  ihr Selbstwertgefühl. Für Männer wird nicht selten im Laufe der Zeit ihr eigener Kinderwunsch in den Hintergrund gerückt. In den Vordergrund rücken die Sorge um die Probleme ihrer Partnerin und die eigene Hilflosigkeit dabei. Männer leiden am Leid ihrer Frau und an ihrer eigenen Hilflosigkeit, ihr adäquat zu helfen. Sie suchen (erfolglos) nach den richtigen „Ansagen“ für ihre Frau: „Wird schon noch“, sieh´s doch  gelassener…“.  Nicht wenige Kinderwunschmänner sind große Vermeider des Themas in der Beziehung. Damit verschärfen sie aber eher das Problem, denn die Frau übernimmt dann den Kinderwunsch für zwei. Sie sorgt durch vermehrtes Ansprechen des Kinderwunsches dafür, dass das Thema in der Paarbeziehung nicht untergeht.
Beides macht die Kommunikation über den unerfüllten Kinderwunsch nicht einfach. Männer versuchen oft, dieses Minenfeld erst gar nicht zu betreten („den Ball flach halten“) Frauen werfen ihnen vor, dass immer sie es sind, die damit anfangen müssen. Männer denken sich dann: „egal, was ich mache, es ist immer falsch.
Hilfreich ist es für das Paar, wenn die Frau das Thema Kinderwunsch in der Kommunikation begrenzen kann (weg von der Omnipräsenz)  und wenn der Mann auch über seine Zweifel und Ängste sprechen kann – statt Daueroptimist zu sein.

Welchen Anteil hat das soziale Umfeld daran, dass unerfüllter Kinderwunsch die Psyche belastet?

Das soziale Umfeld ist eine Art Verstärker. Sie ist nicht für das primäre Problem verantwortlich, kann dies aber im Alltag deutlich hervortreten lassen. So ist für Betroffene ein Umfeld mit vielen jungen Familien oder mit sehnsuchtsvoll wartenden „verhinderten“ Großeltern sehr schwierig. Leichter ist ein Freundes- und Bekanntenkreis mit vielen Singles. Auf jeden Fall „strukturiert“ der unerfüllte Kinderwunsch das soziale Umfeld um. Manche Kontakte werden vermieden, andere Kontakte bauen sich neu auf.

Was bewirkt die Frage nach dem „Warum“ in der Psyche der Betroffenen? Helfen eine klare Diagnostik und eine mögliche Therapie?

Eine kompetente medizinische Diagnostik ist sehr hilfreich für die Bewältigung. Die darin gewonnene Klarheit hilft, die Ursache nicht im Diffusen bei sich selbst zu suchen. Es gibt aber keine Schuld, sondern nur eine medizinische Ursache.
Die Frage „warum ich?“ ist notweniger Teil der Bewältigung. Es wird oft als ungerecht empfunden, aber es ist so wie es ist. „Kinderwunsch ist eine Zivilisationskrankheit und wir sind mit dabei!“ ist ein guter Erklärungsansatz für das Paar.

Wenn die Behandlung im Kinderwunschzentrum beginnt, sind vor allem die Frauen stark gefordert. Wie können sie sich stärken, um mit Hormonbehandlung und künstlicher Befruchtung psychisch klarzukommen? Wie können die Partner sie dabei unterstützen?

Frauen brauchen alle Kraft für die Behandlung. In dieser Phase brauchen sie im sozialen Umfeld nicht „alles zu geben“ Alles was Energie zehrt, sollten sie nach Möglichkeit meiden.

Hilfreich sind Strategien gegen den Erfolgsdruck:

  • Alles passiert zu seiner Zeit - das Kind kommt zu seiner Zeit
  • wahrscheinlich brauche ich mehrere Versuche
  • IVF ist nur eine Art Einladung an das Kind
  • der Embryo ist der entscheidende Dritte
  • negative Gedanken schaden nicht der Einnistung.

Ein guter Beitrag der Männer ist es, sich in dieser Phase etwas für die Frau einfallen zu lassen. Gemeinsame Spaziergänge, schön gedeckter Tisch, der zum längeren Sitzen  einlädt, Paarrituale pflegen.

Folgende Punkte sind für beide wichtig:

  • Legen Sie immer wieder Entspannungspausen ein - auch in Ihrem Bemühen, ein eigenes Kind zu bekommen!
  • Entspannungsübungen wie autogenes Training, Yoga oder viele ähnlich gelagerte Übungen können hier sehr hilfreich sein.
  • Lieben Sie sich nicht nur nach Plan, sondern insbesondere dann, wenn Sie Lust darauf haben. Sex ist - wie man so oft hört - nicht alles. Aber er soll eine schöne Ausdrucksmöglichkeit bleiben, die Beziehung und die Zusammengehörigkeit zu unterstreichen. In Abwandlung eines fernöstlichen Sprichworts heißt das:
    Liebe ist die schönste Form der Nähe.

Sind Psychologen geeignet, die Paare zu begleiten? Gibt es Spezialisten?
Ist das Paar in einem Kinderwunschzentrum, sollte es erst einmal dort um eine Empfehlung anfragen. Viele Zentren haben Psychologen oder psychosoziale Fachkräfte, mit denen sie frei kooperieren. Dies hat den Vorteil, dass der Psychologe meist das Behandlungsschema des Zentrums genauer kennt. Kinderwunsch spezialisierte Berater und Psychologen findet man unter www.bkid.de.

Idealweiser gehen die Paare oder die Frauen zusätzlich in eine Kinderwunschgruppe. Dort erfährt man, dass man nicht alleine mit dem unerfüllten Kinderwunsch ist und für eine Kinderwunschfrau/Mann ganz normal tickt.  Der Austausch mit anderen Paaren ist dafür oft sehr hilfreich.

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