Partnerschaft
Spätes Kennenlernen und Kinderwunsch
Lernen sich Partner erst in einem späteren Lebensalter, so ab 35 Jahre, kennen, haben sie einerseits nicht mehr unendlich Zeit, um Kinder zu bekommen, andererseits müssen sie sich erst als Partner zusammen finden. Bis zu zwei Jahren kann es dauern, bis sich Paare stabil genug für eine Elternschaft fühlen. Dann aber ist die Frau in einem Alter, in dem es immer problematischer wird, Kinder zu bekommen.
Eine schwierige Situation für beide Partner. Sie müssen die Balance finden zwischen der Stabilität der Partnerschaft und dem Wissen um die Endlichkeit der Fruchtbarkeit. Gerade die Frau hat oft bereits den Wunsch nach einem Kind, ist aber unsicher, ob und wie sie ihren Partner in diesem frühen Stadium einer Beziehung darauf ansprechen soll. Männer unterschätzen häufig die Endlichkeit der Fruchtbarkeit der Frau.
Wie nähern sich Mann und Frau in dieser Kennenlernphase an? Sie muss den Mut aufbringen, den Kinderwunsch bereits früh anzusprechen und vorzufühlen, unter welchen Bedingungen der Mann bereit ist, Verantwortung für ein Kind zu übernehmen. Ein schnelles „Ja“ zum Kind kann sie nicht sofort und uneingeschränkt erwarten, aber sie stößt mit dieser Frage einen Denkprozess an. Ihm muss klar sein, dass ein absolutes „Nein“ zum Kind ein hohes Trennungsrisiko mit sich bringt und die biologische Uhr tickt - der Kinderwunsch kann nicht vertagt werden kann.
Wichtig ist es für beide, neben dem eigenen Kinderwunsch immer auch den Kinderwunsch des Partners im Blick zu haben, um die entstehende Partnerschaft nicht zu destabilisieren. Denn die Gefahr der Trennung bei einer noch nicht gefestigten Partnerschaft bei unterschiedlichen Vorstellungen zum Kinderwunsch ist groß.
Ist die Beziehung stabil und der Wunsch nach einem Kind da, sollten beide nicht endlos Zeit mit dem Probieren verstreichen lassen. Wenn sich nach 9 bis 12 Montan keine spontane Schwangerschaft einstellt, ist es sinnvoll, in einem Kinderwunschzentrum oder bei erfahrenen Ärzten die Chancen auf eine Spontanschwangerschaft überprüfen zu lassen. Es wird die Fertilität von Frau und Mann überprüft, um gravierende Fruchtbarkeitshemmnisse auszuschließen und Sicherheit über den weiteren Weg zu bekommen. Sinnvoll ist dies ab 38 Jahre. Untersucht wird bei der Frau z.B.:
- Antimüllersches Hormon (AMH)
- Folikelstimulierendes Hormon (FSH)
- Ultraschall zur Bestimmung der sog. ovariellen Reserve
Beim Mann gibt ein Spermiogramm Auskunft über die Spermienqualität. Bei Auffälligkeiten sollte es nach zwei bis drei Monaten wiederholt werden.
Endgültiger unerfüllter Kinderwunsch ist selten und viele Paare haben unter Inanspruchnahme aller therapeutischen und medizinischen Möglichkeiten eine gute Chance, ein Kind zu bekommen. Dennoch sollten sich Paare im Vorfeld überlegen, wie sie damit umgehen wollen, wenn ihnen der Kinderwunsch versagt bleibt. Denn die seelische Belastung, wenn es wieder nicht geklappt hat, ist für beide Partner groß. Jedes Paar muss individuell abwägen, wie weit es gehen will, dies in Relation zur Stärke ihres individuellen Kinderwunsches setzen, ggf. seine eigenen Grenzen hinausschieben oder auch ganz andere Wege gehen. Wenn der Kinderwunsch abgeschlossen wird, dann mit dem Gefühl, alles getan zu haben, um sich vor späteren Selbstzweifeln zu schützen. Ein medizinischer Check entlastet beide Partner.
Kinder ja, aber erst später
Ja oder nein? Jetzt oder später? Ambivalenter Wunsch nach Kindern ist etwas ganz Natürliches. Der Wunsch nach Kindern entsteht oft im Unterbewussten. Das Schwanken zwischen Ja oder Nein entwickelt sich früher oder später in die eine oder andere Richtung. Nicht immer können alle Bedenken vorher geklärt werden. Zu einer Schwangerschaft gehört auch Mut von beiden Seiten. Leicht ambivalente Schwangerschaften entwickeln sich im Laufe der neun Monate meist zu einer gewünschten Schwangerschaft. Eines müssen die Paare aber im Auge behalten: Das Ticken der biologischen Uhr. Es wird ab 35 Jahre für die Frau immer schwieriger, den Kinderwunsch dann noch zu verwirklichen.
Einseitiger Kinderwunsch
Ist einer der beiden Partner unsicher, ob Kinder zu seinem Lebensinhalt gehören, ist es auch für die längere Stabilität der Partnerschaft wichtig, dass beide intensiv über dieses Thema sprechen. Eine Paarberatung kann hier helfen – sei es über die Familienberatungsstellen, die Schwangeren-Beratungsstellen oder erfahrene Psychologen und Therapeuten.
Bei einem eindeutigen Nein des Partners oder der Partnerin zu einem gemeinsamen Kind entsteht in der Beziehung ein starkes Ungleichgewicht im Geben und Nehmen, in Nähe und Distanz. Einer der beiden ist immer der Unterlegene. Ein verweigerter Kinderwunsch wird nicht verziehen und führt – früher oder später - oft zur Trennung.
